Win Schumacher journalist, fotograf, weltreisender alles wahre leben ist begegnung
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Berlin

Arztserie in Zelle 223

Abschiebehäftlinge warten auf etwas, das möglichst nicht kommen soll

Hinter den verschneiten Schrebergärten von Berlin-Grünau steht eine vier Meter hohe, mit Stacheldraht gesicherte Mauer. Ein Polizeiwagen mit Mainzer Kennzeichen wartet vor dem Stahltor, das in den Innenhof des Abschiebegefängnis  von Köpenick führt. „Polizei Rheinland-Pfalz“, ruft der Fahrer dem Gewahrsamspförtner zu, „wir bringen Neuzugang.“ Ächzend öffnet sich das Tor. Der Kleinbus passiert die Pforte. Hinten in dem Gefangenentransporter sitzt ein Schwarzafrikaner. Sein Blick streift Schatten von Stacheldraht auf grauem Schnee.

Der Wagen hält, bis sich das Tor wieder hinter ihm schließt. Der Afrikaner sieht sich um. Auf einem eingezäunten Sportplatz spielen drei arabische Häftlinge Fußball. Einmal springt der Ball über das Gitter in den Hof, wo zwei Polizeibeamte in dicken Dienstjacken Wache halten.

Erst jetzt sieht der Neuankömmling rechts die Fassade des Plattenbaus, hinter der er die nächsten Tage, Wochen, vielleicht Monate, verbringen wird. 152 vergitterte Fenster in farblosem Beton. Was aber kommt nach Köpenick? Abschiebung oder Entlassung? Keiner der mehr als hundert Flüchtlinge  weiß, wie lange ihre Haft dauern wird. Keiner kann sagen, was danach kommt. […]