Win Schumacher journalist, fotograf, weltreisender alles wahre leben ist begegnung
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Grumeti-Reservat

Tansania Serengeti

So weit die Hufe tragen

Die Große Gnuwanderung von der Masai Mara in die Serengeti ist eine der letzten Massenmigrationen großer Huftiere auf der Erde. Den Wanderbewegungen der Bisons in Nordamerika machte der Mensch Ende des 19. Jahrhunderts innerhalb weniger Jahrzehnte ein Ende. Die Migration der Blauen Streifengnus in Botsuana stoppten Anfang der 80er Jahre neuerrichtete Viehzäune in der Kalahari. Hunderttausende Tiere verendeten, weil sie ihre seit Jahrtausenden vollzogene Wanderroute nicht weiterführen konnten. Es ist ein Wunder, dass die Gnus der Serengeti bis heute wie seit Urzeiten ihre Kreise ziehen. Schätzungsweise 1,3 Millionen Gnus begeben sich Jahr für Jahr auf der Suche nach immer neuen Weidegründen auf Wanderung. Ihnen schließen sich etwa 400.000 Thomson-Gazellen, Topis und Elenantilopen und fast 200.000 Steppenzebras an. Den Herden stellen Löwen, Leoparden, Geparde und einige der letzten Wildhunderudel Ostafrikas nach. Einmalig in Afrika ist es, mitzuerleben, wie Tausende Gnus den Grumeti-Fluss westlich der Serengeti überqueren, wo bereits meterlange Krokodile auf sie warten – ein atemraubendes Drama der Natur.

Feuerland

Chile/ArgentinienPatagonien

Der Sturmflug des Albatros

Am 8. Oktober 2005 starb Emelinda Acuña in Puerto Williams, der südlichsten Stadt der Welt, einem Nest von 2000 Einwohnern auf der Insel Navarino. Die alte Frau war die einzige, mit der ihre heute 89-jährige Schwägerin Abuela Cristina Calderón sich noch in ihrer Muttersprache unterhalten konnte. Calderón gilt als letzte Yamana-Indianerin Feuerlands. Wenn auch sie stirbt, hat das Volk, das schon vor Jahrtausenden am weitesten in den Süden der Erde vordrang, seine letzte Stimme verloren. Die Yamana waren ein außergewöhnliches Volk. Sie lebten schon seit mindestens 6000 Jahren in Feuerland im Einklang mit der Natur. Die Seenomaden siedelten entlang des Beagle-Kanals bis Kap Hoorn, das für Jahrtausende der südlichste je von Menschen betretene Ort der Erde blieb, bis in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts die ersten Abenteurer Fuß auf das Eis der Antarktis setzten. Um die Felseninseln und in den Fjorden Feuerlands lebten die Yamana vom Fischfang oder jagten Robben und seltener Guanakos, die wilden Verwandten der Lamas. Die Frauen tauchten im eisigen Wasser nach Krustentieren. Über die Jahrtausende passten sie sich perfekt an die extremen Lebensbedingungen am Ende der Erde an. Über dem letzten Abgrund vor der Antarktis wacht eine riesige Albatros-Skulptur des chilenischen Bildhauers José Balcells. Er soll an die zahllosen Seefahrer erinnern, die vor Kap Hoorn kenterten und hier ihr Leben ließen. An das Volk, das als erstes ans Ende der Welt vordrang und nun bald nicht mehr ist, erinnert keine Inschrift und kein Gedenkstein. Aber der Albatros ist auch der Totenwächter der Yamana. Der anmutigste und freiste aller Sturmvögel war den Indianern einst heilig.

Exuma Cays

Bahamas

Rosige Aussichten

Nein, wir sind wirklich nicht auf LSD und die Gläser unserer Sonnenbrillen keineswegs pink. Aber das, was uns da im blendend türkisen Wasser unter karibischem Himmel fröhlich grunzend entgegenschwimmt, sind tatsächlich fünf rosarote Schweine. Quietschvergnügt, wie karibische Schweine nun einmal sind, heißen sie die Eindringlinge in ihr Revier willkommen, strecken fröhlich die Rüssel aus dem badewannenwarmen Wasser und stürzen sich schmatzend auf die Bissen, die ihnen die Bootsausflügler zuwerfen. Ihre Heimat ist wahrlich kein Maststall, sondern eine Privatinsel in bester Lage. Kaum dreißig Bootsminuten entfernt hocken furchteinflößende Echsen im weißen Sand. Die seltenen Exuma-Felsenleguane werden über einen Meter lang. Ihre Drachenköpfe, die gezahnten Rückenkämme und die ausgeprägten Kehlsäcke schimmern altrosa. Rosafarbene Drachen und schwimmende Schweine: Wer auf die Exumas reist, braucht keine rosa Brille – und erlebt die Bahamas von ihrer wilden Seite.

Dadestal

Marokko Hoher Atlas

Tor zur Wüste

Der Atlas ist das höchste Gebirge in Nordafrika und gehört zu den faszinierendsten Regionen des Kontinents. Über Jahrtausende haben hier die Berber ihre einzigartige Kultur bewahrt. Zu den spektakulärsten Landschaften gehört die abenteuerlich tief eingeschnittene Dadesschlucht, die die schneebedeckten Gipfel des Hohen Atlas mit der Sahara verbindet.

Choquequirao

Peru Apurímac/Cusco

Die Wiege des Goldes

Atemraubend liegt das Apurímac-Tal zwischen schneebedeckten Bergketten und schwindelerregend hohen Klippen. „Der heilige Berggott, der spricht“, so in etwa lautet der Name des Flusses. Der reißende Strom rauscht hier durch einen der tiefsten Canyons der Welt. Beladene Maultiere keuchen den Berg hinauf. Irgendwo da oben wartet eine sagenumwobene Ruinenstadt. Bis heute ist Choquequirao nur für Wanderer über einen schmalen Pfad in mindestens zwei Tagesetappen zu erreichen. Die Inka nannten sie „Wiege des Goldes“. Choquequirao wurde für sie zur letzten Zuflucht vor den im 16. Jahrhundert einfallenden Conquistadores. Die Spanier haben die auf über 3000 Höhenmetern im Bergdschungel verborgene Stadt nie entdeckt. Anders als ihre weltberühmte Schwesterstadt Machu Picchu wurde Choquequirao bisher nur zum Teil freigelegt und nie vom Massentourismus erobert. Wahrscheinlich wurde Choquequirao unter dem legendären Inkaherrscher Pachakutiq zum wichtigen Kontrollpunkt und kulturellen Zentrum zwischen der Hauptstadt Cusco und dem Amazonas-Tiefland. Gut möglich, dass die letzten Bewohner sich mit ihren Reichtümern vor den Spaniern in den amazonischen Dschungel absetzten.. Dort suchen Abenteurer noch heute nach der sagenumwobenen Inka-Stadt Paititi, die manche mit Eldorado gleichsetzen.

Bluefields

Jamaika South Coast

Blau in blau

Genug von Reggae-Partys, Rastafaris und Rum? Im Süden Jamaikas kann man noch immer einsame Strände entdecken, wo man sich den Blick auf das azurfarbene karibische Meer nur mit Seevögeln und dem ein oder anderen Kolibri teilt. In einigen Buchten legen noch immer Meeresschildkröten ihre Eier ab. Ein Ausflug lohnt sich auch unter Wasser. Anders als an den bekannten Riffen vor der Nord- und Westküste haben Taucher die schillernde Unterwasserwelt hier meist für sich allein.

Antarktis

Hoffnung in eisigen Zeiten

1961 stellte der Antarktisvertrag den sechsten Kontinent unter internationalen Schutz. Ausgerechnet zum Höhepunkt des Kalten Kriegs, wenige Wochen vor dem Mauerbau in Berlin, verzichteten die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich und acht weitere Nationen auf ihre Gebietsansprüche in der Antarktis. Die Vertragsstaaten verpflichten sich zur ausschließlich friedlichen Nutzung der südlichen Polarregionen – in eisigen Zeiten eine politische Sensation. Seither darf in der Antarktis militärisches Personal nur für wissenschaftliche Forschung und andere friedliche Zwecke eingesetzt werden. Die Stationierung von Waffen und die Entsorgung von Atommüll sind verboten. Mehr als 50 Staaten haben den Antarktisvertrag bis heute unterschrieben. Sie verpflichteten sich, die internationale Zusammenarbeit bei der wissenschaftlichen Erforschung der Antarktis zu fördern, Fauna und Flora zu schützen, sowie die natürlichen Ressourcen des Kontinents nicht auszubeuten. Seither dürfen auf dem gesamten Kontinent keine Rohstoffe abgebaut werden und das sensible Ökosystem ist als einzige großflächige Wildnis der Erde weitgehend unangetastet geblieben. 2041 läuft der Antarktisvertrag aus. Dann steht das Schicksal des gesamten Kontinents auf dem Spiel. Einige Umweltschützer fürchten, dass die USA kein Interesse an einer Verlängerung des Vertrags zeigen werden. Insgeheim dürfte das so manche andere Nation freuen, die um den unermesslichen Wert der kaum entdeckten Schatzkammer weiß.

Yellowstone-Nationalpark

USA Wyoming

Uramerikanische Wildnis

Durch den ältesten Nationalpark der Welt streifen Grizzlybären, Wölfe und Pumas. Bekannt ist Yellowstone auch für seine riesigen Bisonherden. Die zotteligen Urrinder vor verschneiten Berggipfeln und dampfenden heißen Quellen sind längst zum Inbegriff des Naturerbes der Vereinigten Staaten geworden. Der Bison ist das Wappentier der US-Nationalparkbehörde und ziert die Flagge Wyomings. Ein Großteil des Yellowstone-Nationalparks liegt auf dem Gebiet des „Buffalo States“. Dass der amerikanische Bison einmal zur gefeierten Touristenattraktion werden würde, war noch vor wenigen Jahrzehnten kaum vorstellbar. Mitte des 19. Jahrhunderts begannen weiße Siedler, die Präriegiganten zu Hunderttausenden abzuschlachten. Bisonjäger wie der Westernheld William Cody alias Buffalo Bill brüsteten sich damit, Tausende Tiere innerhalb weniger Monate getötet zu haben. Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus den 1870ern zeigen meterhohe Berge von Bisonschädeln, neben denen stolze Siedler posieren. Die geköpften, felllosen Kadaver verfaulten in der Präriesonne. Um 1900 hatten von mehr als 30 Millionen Bisons, die vor der Ankunft der Europäer durch Nordamerika zogen, nur wenige Hundert überlebt. Als die letzte wilde Herde, die vor dem großen Schlachten gerettet werden konnte, gelten die Bisons von Yellowstone. Heute leben hier wieder mehr als 5000 Tiere. Sie sind die Nachfahren von etwa 25 Bisons, die in einem entlegenen Tal überdauerten. Inzwischen haben einige Viehzüchter in Wyoming und Montana ihre Farmen in Weideland für Bisons umgewandelt. Non-Profit Organisationen wie die Y2Y-Conservation-Initiative und die American Prairie Foundation streben an, Farmland zwischen bereits bestehenden Schutzgebieten in Kanada und den USA in Korridore für Bisons und andere Arten umzuwandeln. So könnten die Tiere in ferner Zukunft einmal wieder ihre alten Wanderbewegungen aufnehmen.

Wilpattu-Nationalpark

Sri Lanka – Northwestern Province

Im Revier des Leoparden

Der größte und einer der ältesten Nationalparks Sri Lankas wird noch immer nur von wenigen Touristen besucht. Während des Bürgerkriegs war die Region die längste Zeit unzugänglich. In den letzten Jahren wird der Park langsam wieder entdeckt. Mit seinen dichten Wäldern, zahllosen Seen und einer einzigartigen Vielfalt an Tierarten gehört er zu den reizvollsten Schutzgebieten des Landes. Ein großer Teil der Sri-Lanka-Leoparden lebt hier und nirgendwo stehen die Chancen besser, die bedrohten Lippenbären zu beobachten.

Vatnajökull-Nationalpark

Island Norðurland/Austurland

Wunderland der Trolle

Hier also baden die Trolle! Über schwarzem Lavageröll dampft ein erhitzter Gebirgsstrom. Dahinter leckt die gigantische Eiszunge des Vatnajökull-Gletschers am Vulkangestein. Der Sage nach treiben sich die Jólasveinar am Rand des Lavafelds von Holuhraun herum und die heißen Quellen sind ihre Badestube. Jólasveinar nennen die Isländer ihre traditionellen Weihnachtstrolle. Sie haben gleich dreizehn von ihnen. Ab dem 12. Dezember wandern sie einer nach dem anderen zu den Menschen ins Tal bis zu Heiligabend alle unten angekommen sind. Jedes Kind in Island wartet dann schon auf sie. Wer durch die Heimat der Jólasveinar unterwegs ist, lernt das Staunen und Schaudern. Auf rauen Lavapisten und durch eisige Bergbäche schlittert der Geländewagen vorbei am verschneiten Herðubreið, der breitschuldrigen Königin der Berge Islands. Zu ihren Füßen stürzen tosende Wasserfälle in tiefe Schluchten. Auf dem Gebirgsmassiv von Dyngjufjöll ragen bizarre Lavafelsen wie erstarrte Berggeister aus dem Schnee. Am Ende mag sich auch so mancher abgeklärte Zentraleuropäer gar nicht mehr so sicher sein, ob durch das Hochland des Vatnajökull-Nationalpark vielleicht nicht doch Naturgeister spuken. Warum eigentlich nicht auch Weihnachtstrolle?